„Mit Pferden auf freie Weise in Beziehung zu treten, heißt auch ein Stück eigene Freiheit zu entdecken.“ Imke Spilker in ihrem Buch "Selbstbewusste Pferde"

Jahresrückblick 2017 - Das Jahr der ENTSCHEIDUNG

Im April habe ich eine wichtige Entscheidung getroffen: Mein Pferd darf sich immer äußern und ich übergehe es nicht! Ich akzeptiere auch ein "nein".

Diese Entscheidung habe ich intensiv abgewogen und es hat sich sofort eine grundlegende Veränderung in der Beziehung zu Rosalie eingestellt.

Wie es zu dieser Entscheidung kam und was sich dadurch verändert hat, könnt ihr weiter unten lesen.

 

Hier nun ein kleiner Rückblick auf meine "Hufspur-Aktivitäten" im Jahr 2017:

Die Einzelcoachings, -Aufstellungen und -Begleitungen sind der Schwerpunkt meiner Arbeit und ich bedanke mich bei allen Klientinnen und Klienten für ihre Offenheit und das tiefe Vertrauen! Ich wünsche Euch allen, dass Ihr Eurer Intuition folgt und die Bewusstheit mehr und mehr ins Gewohnte übergeht!

Die Pferde unterstützen uns darin die Verbindung zu uns selbst und zu allem was uns wichtig ist, tief und lebendig werden zu lassen.

 Im August habe ich auf dem Horse & Spirit - Festival im Barockreitzentrum Heimsheim meine Arbeit "Aufstellungen mit Pferden und für Pferde" gezeigt. Neben dem Vortragsteil haben wir in der großen Halle mit unterschiedlichen Pferdeherden sehr bewegende Aufstellungen gemacht. Dass dies in einem "Vorführrahmen" in derartiger Tiefe möglich war, verdanke ich den offenen, wohlwollenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern (Aktive und Zuschauende!) und den wundervollen Pferden, die den Prozess begleitet und mitgestaltet haben!

Im März und Mai habe ich 2 Kurse auf unserem schönen Lehhaldehof gegeben: Elternkurs „Nähe-Grenzen-Verbundenheit" und Mensch & Pferd "ZusammenWACHSEN"

Beide Kurse waren intensiv, tiefgreifend und gleichzeitig voller Offenheit und Humor! In den freien Pferdebegegnungen sind berührende Momente entstanden, aus denen die Teilnehmerinnen Erkenntnisse für eine Veränderung im Alltag gezogen haben. 

Das Schönste ist für mich, wenn ich miterleben darf, dass ein Mensch im Kontakt mit dem Pferd ein „Aha-Erlebnis“ hat und dieses ERLEBTE ganz präsent ist (nicht nur ein Gedanke) und dieser Mensch mit neuen MÖGLICHKEITEN in sein Leben (zu seinem Pferd, zu seinem Kind, zu seinem Partner, in seinen Job, …) geht!

 Von Oktober bis Dezember habe ich bei Nira Vogel einen Kurs in Tierkommunikation/ Heartcoaching mit Tieren gemacht! Ich bin sehr dankbar, dass ich an einem so wunderbaren Kurs teilnehmen konnte. So eröffnen sich immer neue Möglichkeiten sowohl Mensch als auch Tier darin in tieferem Verständnis und Heilung zu unterstützen.

DIE ENTSCHEIDUNG – wie es dazu kam und was sich verändert hat:

 Stell dir vor dein Pferd kommt zu dir und will bei dir sein – nicht weil du es mit Futter belohnst – sondern einfach, deinetwillen und weil es bei dir es selbst sein darf!

Meine Sehnsucht war es immer Verbundenheit und gemeinsame Freude mit (m)einem Pferd zu erfahren.

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit „alternativem + natürlichem“ Umgang mit Pferden und meine Kurse tragen Titel wie „Freiwilligkeit und Dialog“. Auch im Coaching ist die Freiheit (es wird auf jegliche Hilfsmittel verzichtet) und die freie Äußerung der Pferde (kein Sanktionieren von Verhalten) oberste Prämisse! Und doch gab es immer wieder Situationen in denen ich meine Bedürfnisse und Vorstellungen über die von Rosalie gestellt habe und diese auch gegen ihr „Nein“ durchgesetzt habe. Sie hat es mich dann spüren und im Gesicht ablesen lassen, dass sie dies jetzt nur sehr widerwillig tut. Außerdem gab es so manche Tage an denen sie vor mir weggegangen ist, wenn ich sie aus der Herde holen wollte. Das hat mich sehr traurig gemacht. Mir wurde klar, dass ich eine Entscheidung treffen muss:

 Entweder: Setze ich meine Bedürfnisse/Vorstellungen/Pläne wie z.B. „jederzeit Reiten, wenn ich möchte“ oder „sie jederzeit in jeder beliebigen Gangart bewegen können“ (zwar entschlossen, klar und liebevoll) durch,

oder: sind ihre und meine Bedürfnisse jederzeit gleichwürdig* 1 und ich akzeptiere auch ein „Nein“?

 Dies könnte unter Umständen bedeuten, dass ich nicht mehr reiten werde, mich nicht mehr zu gemeinsamen Ausritten verabreden kann und überhaupt: Was mache ich dann mit Rosalie???

 Da mir die Konsequenzen der Entscheidung sehr klar waren und mir auch klar war, dass es kein „hin-und her“ geben kann, habe ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht.

In einer Aufstellung habe ich dann beide Wege vor mir aufgestellt. Hinter mir: mein bisheriger Weg mit Pferden. Dann habe in die Positionen hinein gespürt.

Es sind auch Ängste hochgekommen: mögliche Rechtfertigungen gegenüber Menschen, die eine andere Sichtweise haben und sich möglicherweise kritisiert fühlen könnten * 2?!, … gibt es dann überhaupt Klienten, die sich auf diese Art von „horsemanrelationship“ einlassen?, …. was macht man überhaupt mit einem Pferd, wenn es alle Vorschläge ablehnt? Kann ich das aushalten?

In der Aufstellung war dann klar, dass ich mich innerlich bereits entschieden hatte: Auch wenn ich noch keine genaue Vorstellung hatte wie der Weg aussehen wird, wie er sich anfühlen wird, ich hatte ihn bereits eingeschlagen und der andere Weg war nicht mehr gangbar für mich. r NEUE WEG und die VERÄNDERUNG:

Die Veränderung beginnt in der inneren Haltung mit der inneren Entscheidung/ Entschlossenheit!

Ich bin sehr dankbar, dass Rosalie mir unmittelbar gezeigt hat, dass es bei ihr angekommen ist, denn sonst hätte ich den Weg vielleicht nicht durchgehalten:

Direkt am nächsten Tag (nach der Entscheidung) bin ich zu ihr gegangen. Dieses Mal hat sie sich mir zugewendet und ist ohne, dass ich ein Halfter anlegen brauchte mit mir aus der Herde gekommen. Und so ist es seit dem auch geblieben!

Der Weg war anfangs sehr, sehr hart für mich. Ich war oft frustriert; war mit meinem Wollen/ meinem Nicht-Wollen, meiner inneren Wut und darunter auch mit meiner Traurigkeit konfrontiert. Wusste oft nicht weiter und doch wusste ich, dass es der richtige Weg für Rosalie und mich ist – dass es das ist, was ich mit Rosalie zusammen lernen und erfahren darf! Und es braucht einfach Zeit, bis man alte Gewohnheiten loslassen kann und Neues entsteht.

Wenn ich jemandem davon erzähle, stoße ich meist auf große Offenheit und Interesse, bekomme Bücher* 3 empfohlen, durch die ich mich inspiriert und bekräftigt fühle und es kommen Menschen auf mich zu, die ebenfalls diesen Weg gehen möchten und sich darin von mir begleiten lassen. Mit diesen Pferdemenschen „forsche“ ich nun gemeinsam und es tut gut zu sehen, wenn sich Mensch und Pferd zu sich selbst und zueinander hin entwickeln!

Und auch wenn Rosalie und ich „äußerlich“ betrachtet manchmal nicht viel zu tun scheinen, so ist doch immer Dialog und die Verbundenheit wächst!

Ich genieße es zu sehen, wie sie an Selbstausdruck gewinnt, stolzer und mutiger wird, wenn wir z.B. zusammen wandern und sie an der Longe vorne weg geht und den Weg wählt, wie sie eigene Ideen hat, sich aktiv in unsere Zusammensein einbringt und wir immer öfter zu echtem „gemeinsamen Wollen“ kommen.

Stell dir vor, du hast keine Erwartungen an dein Pferd. Kann es dann Enttäuschung geben? Oder ist dann nicht einfach GEMEINSAM SEIN und dadurch ALLES MÖGLICH?

Ich danke dir, liebe Leserin/ lieber Leser, dass du meinem Weg beim Lesen gefolgt bist.

Was immer DEIN WEG ist, ich wünsche dir, dass er dich Stück für Stück zu dir selbst führt.

Herzliche Grüße, Anne

* 1den Begriff „gleichwürdig“ hat der Familientherapeut Jesper Juul geprägt. Er bedeutet nicht "gleichberechtigt", denn der Mensch trägt immer die Verantwortung! D.h. es gibt Situatinoen, in den man Verantwortung/ die Führung übernimmt, weil es notwendig und zum Wohle ist. Z.B.: klares Führen im Straßenverkehr, Stillstehen beim Tierarzt oder Hufpfleger. Wie Kinder auch, können Pferde das Wohlwollen dahinter spüren und vertrauen uns. Gleichwürdig bin dabei natürlich auch ich selbst - in dem ich für mich einstehe und meine Grenzen/ Bedürfnisse kenne(n lerne)

* 2 denn ich möchte niemanden kritisieren oder gar bekehren. Es ist mein Weg mit Rosalie. Jeder hat seinen eigenen Weg der für ihn stimmig ist.

* 3 „Selbstbewusste Pferde“ von Imke Spilker, „befreie dein Pferd – befreie dich selbst“ von Maksida Vogt. Zu Imke Spilker habe ich persönlichen Kontakt aufgenommen und sie hat mich mit Rosalie „begleitet“.

 

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